Während aktuell vielerorts vor allem über Wintersport-Stars und olympische Schlagzeilen gesprochen wird, hat sich eine Athletin still und eindrucksvoll an die Spitze gekämpft: Deniz Kayadelen.
In Norditalien, genauer bei den Europameisterschaften im Eisschwimmen in Molveno, holte sie gleich vier Medaillen – zwei Mal Gold und zwei Mal Silber. Und das nur fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter.
Deniz Kayadelen – Ein Erfolg, der mehr ist als Medaillen
Deniz Kayadelen gewann in ihrer Altersklasse über 100 Meter Schmetterling und 250 Meter Freistil jeweils die Goldmedaille – niemand war schneller. Über 100 Meter Freistil und 50 Meter Schmetterling schlug sie hauchdünn als Zweite an und sicherte sich zusätzlich zwei Silberränge. Dass diese Resultate so kurz nach der Geburt möglich waren, bedeutet ihr besonders viel.
Sie spricht offen darüber, wie herausfordernd der Alltag als frischgebackene Mutter ist: Schlafunterbrechungen, Stillen alle zwei bis drei Stunden – und trotzdem im entscheidenden Moment Höchstleistung abrufen. Statt das als Nachteil zu sehen, habe sie genau daraus Kraft gezogen. Ihr Ziel: sichtbar machen, wozu Frauen trotz Schwangerschaft und Geburt fähig sind.
Der Gedanke, Vorbild zu sein, begleitet ihren Weg schon lange. Die deutsch-türkische Doppelbürgerin ist in Frankfurt am Main aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren in der Schweiz. Bei Wettkämpfen tritt sie bewusst unter der Flagge der Türkei an – auch, weil sie damit viele Frauen erreicht hat. Nach ihren ersten Erfolgen wurde in türkischen Medien über sie berichtet, was ihrer Botschaft zusätzliche Reichweite gab: Grenzen sind oft verschiebbarer, als man denkt.
Als Angst begann, was später zum Traum wurde
Was heute nach mentaler Stärke und Kälte-Routine klingt, hatte bei Deniz Kayadelen einen sehr menschlichen Ursprung. Als junge Frau war sie Leistungsschwimmerin und träumte davon, den Ärmelkanal zu durchqueren. Doch ein einschneidendes Erlebnis änderte alles: Nach einer Unterkühlung musste sie im Spital behandelt werden – und kaltes Wasser wurde für sie zur größten Angst. Der Traum schien erledigt.
Erst später, nach dem Studium und in ihrer Zeit als Unternehmensberaterin, kam die Wende: Sie schloss sich einem Team an, das den Ärmelkanal als Staffel schaffen wollte. Mit dem Training kehrte sie langsam zurück – zunächst bei 18 Grad, dann bei 16 Grad. Was früher “kalt” bedeutete, wurde Schritt für Schritt zum Raum, in dem sie sich ihrer Angst stellte. Sie beschreibt diesen Prozess als Lernen: aus Schwäche wieder Stärke zu machen.
„Out of comfort zone“ – Erfahrung statt Theorie
Mit wachsender Bekanntheit kamen Anfragen für Vorträge und Coachings. Deniz Kayadelen machte sich vor rund eineinhalb Jahren als Beraterin selbstständig – mit ihrer Firma „out of comfort zone“. Ihr Ansatz: nicht aus Lehrbuch-Kapiteln heraus motivieren, sondern aus gelebter Praxis. Sie testet Methoden an sich selbst, beweist sie in Extremsituationen und erklärt dann, was wirklich hilft, wenn es ernst wird.
Dabei betont sie besonders die mentale Seite: Im Eisschwimmen entscheide der Kopf zu einem großen Teil über Erfolg und Durchhalten. Genau deshalb gehören Atemübungen, Meditation und Visualisierung für sie zur täglichen Routine. Und das, so sagt sie, sei nicht nur im Sport nützlich – sondern in jeder anspruchsvollen Lebenslage, in der man Ruhe bewahren muss.
Mit drei Kollegen bewältigte sie 2019 die rund 32 Kilometer lange Strecke des Ärmelkanals. 2023 wiederholte sie das – diesmal allein. Wer solche Distanzen durchsteht, für den fühlt sich die 16 Grad kalte Nordsee irgendwann fast “warm” an. Eisschwimmen selbst findet sogar in Becken, die unter fünf Grad Wassertemperatur liegen.
Interessant ist, wie verantwortungsvoll Deniz Kayadelen ihre Rückkehr in den Wettkampf beschreibt. Nach der Geburt sei sie sensibler geworden. Um sicherzugehen, testete sie ihren Körper regelmäßig im Bodensee – alle zwei bis drei Tage. Ihr Maßstab war klar: Wenn sie aus dem Wasser steigt, muss sie Hände und Füße noch zuverlässig kontrollieren können, um für ihr Baby da zu sein. Aus demselben Grund verzichtete sie im Wettkampf auf die 500-Meter-Distanz.
Warum sie trotzdem liebt, was so weh tun kann
Das Kaltwasserschwimmen hat für sie nicht nur eine sportliche Seite, sondern auch eine gesundheitliche und psychologische. Abgesehen von kurzfristigen Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen schwärmt sie von den Effekten: Sie sei selten krank. Zudem sei belegt, dass Kältereize körpereigene Botenstoffe wie Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin und Endorphine deutlich ansteigen lassen – und das fühle sich für sie „besser als jede Droge“ an.
Eine inspirierende Geschichte über Kälte – und Wärme
Die Geschichte von Deniz Kayadelen ist nicht nur die eines sportlichen Doppelsiegs. Es ist eine Erzählung darüber, wie aus Angst wieder ein Traum werden kann, wie mentale Arbeit zu echter Stärke führt – und wie jemand selbst in der herausfordernden Phase kurz nach der Geburt Außergewöhnliches möglich macht, ohne die Verantwortung aus den Augen zu verlieren.
Deniz Kayadelen für Vortrag und Workshop bei SPEAKER SELECT buchen. Rufen Sie uns an unter +49 (0)6032 785 93 93 oder schreiben an deniz.kayadelen@premium-speakers.com
